GLASFIEBER 99 - Das Rolling Art ™ Turnier
DI, 29.06.1999

DAS PROJEKT DER STADT WERKSTATT ZUM FESTIVAL DER REGIONEN 1999
Glasxylophon und Scherbenszenario
Die Kugel ist aus Stahl. Die Kegel sind Glasflaschen.
Ein unterhaltsames Spiel als Vehikel einer optischen wie akustischen Installation. Die Trivialität von Fest und Kegeln bricht durch Glas in eine andere Dimension.
Glas begrenzt. Das Brechen öffnet Räume und zerlegt eine Einheit in Scherben. Aus
einer Norm der Form entsteht eine Vielfalt ab Bruchstücken. Die Lust zu zerbrechen steht im Mittelpunkt unseres Rolling Art ™ Kegelturniers.

Die Anlaufbahn, sowie die Kegelkammer sind mit Kontaktmikrofonen versehen. Die Aufsetz-Roll-und-Kegelkugel- Desastergeräusche, die Splittergeräusche der getroffenen Glasflaschen werden akustisch verstärkt.

Eine Kamera filmt das Geschehen in der Kegelkammer und zeigt den Akteuren und Zuschauern ein Bild des Scherbenszenarios auf einem Monitor. Der Spieler im "Startloch" wird ebenfalls gefilmt und auf einen Monitor übertragen. Sein Bild wird digitalisiert und in Postergröße ausgedruckt.

Ein Moderator führt durch das Spiel und heizt das Turnier an. Musikalische Untermalung und lokale Gastronomie sorgen für Unterhaltung.


GRUNDEINKOMMEN ODER LEBENSVERSICHERUNG
Randzonen ist das Thema des diesjährigen Festivals. Wir rücken den existentiellen Rand ins Zentrum der Aufmerksamkeit und fragend die Siegerin/den Sieger des Kegelturniers: ein Jahr lang Grundeinkommen oder Lebensversicherung?
Verschnaufpause vom täglichen Überlebenskampf oder Absicherung? Wir sind gespannt, wie sie/er sich entscheiden wird.

Ganz Europa redet von Beschäftigung. Arbeitsplatzsicherung und Verteilungsprobleme wurden bislang mit Wirtschaftswachstum scheinbar gelöst. Nun geht aber die Tendenz dahin, daß Wachstum und Rationalisierung aneinander gekoppelt sind, und in Folge immer größere Teile der Bevölkerung an den Rand gedrängt werden. Die Sicherheit der materiellen Existenz hat aber eine grundlegende demokratiefunktionale Bedeutung. Visionen und Utopien sind nötig, die alten Rezepte abzulösen.

Mit der Preisgestaltung des Rolling Art ™ Kegelturniers "Grundeinkommen oder Lebensversicherung" thematisieren wir diese Problematik und setzen einen Impuls, eine breite Diskussion anzuregen.


PODIUMSDISKUSSION "Grundeinkommen oder Lebensversicherung"
1. Juli 1999, 20.00 Uhr, Stadtwerkstatt-Saal

DISKUTANTINNEN
Karin Antlanger, Linz, Sozialpädagogin, Betriebsratsvorsitzende EXIT-sozial Verein für psychosoziale Dienste.

Christian Brütt, Berlin, ist bei der Gruppe F.e.l.S. (Für eine linke Strömung) in der AG Sozialer Widerstand und Promovend am OSI (Politikwissenschaften) der FU Berlin.

Boris Lechthaler, Ried in der Riedmark, Versicherungskaufmann, Ex-Mitglied der Grünen Oberösterreich.

Karl Reitter, Wien, Philosoph, 8 Jahre Lektor am Institut für Philosophie an der Universität Wien, veröffentlichte u.a. ein Buch zu dem griechischen Philosophen Castoriadis sowie "Der König ist nackt. Eine Kritik an Sigmund Freud", Wien 1996, Döcker Verlag.
Derzeit beschä>ftigt sich Karl Reitter vor allem mit der 68er Bewegung und mit der Frage Basislohn, dabei im speziellen auch mit der "Bedeutung des Basislohnes für die Überwindung des Kapitalismus, gegen die Kurzsichtigkeit mancher, auch linker Kritiker."

Eva Rossmann, Auersthal, Autorin, Mitinitiatorin des Frauenvolksbegehrens. "Grundsicherung zählt zu meinen wichtigsten gesellschaftspolitischen Forderungen, allerdings nicht die Form des Grundeinkommens, mit der Menschen mit ein paar tausend Schilling ruhiggestellt und am Rand der Gesellschaft geparkt werden oder mit der Hausfrauen (und damit partiarchale Zustände) finanziert werden."



AKTUELLE TURNIERBERICHTE
Dienstag, 29.6.1999,
Tagesbericht Askö Sportplatz/Zöhrdorf
61 TeilnehmerInnen an einem schönen Sommernachmittag- und Abend. Die meisten Spieler offensichtlich aus der Nachbarschaft. Anfangs ist der Andrang nicht allzu heftig, aber bald werden Handys ausgepackt und Freunde und Bekannte herbeigerufen.
Nach und nach trudeln auch Besucher aus dem Festival-Umfeld ein. Derjenige, der mit der 45er schiessen wollte, weil das ja auch Stahlkugeln sind, ist scheinbar nicht gekommen. Die Frauen sind stark vertreten und erreichen nicht nur auf Grund des "ladybonus" gute Wertungen. Die älteste Spielerin ist stolze 73 Jahre.

Tagessiegerin mit sensationellen 9 Punkten ist Elke Grabner.
Platz 2 und 3 gehen an Robert Sommer und Otto Sitter. Weiters qualifizieren sich für das Endfinale: Margarete Birklbauer, Heinz Stürmer, Pichler Rudi und Karl Sommereder.


Mittwoch, 30.6.1999, Tagesbericht Lonstorferplatz
Unter einem riesigen, alten Baum parken wir am Lonstorferplatz die LKW´s. Von den angrenzenden Parkbänken und Schanigärten aus werden die Aufbauarbeiten zu Glasfieber 99 gespannt verfolgt. Sowie sie steht, wird die Anmeldekassa wild bedrängt, viele müssen auf die zweite Runde vertröstet werden. Zwei ansässige Wirtinnen sind ziemlich ungehalten darüber, dass im Versorger und auf Radio Fro das Alkoholproblem angesprochen wird, anscheinend ein verpüntes Thema. Das Kegeln turned sie trotzdem an. Der Lonstorferplatz hat auch die Kunst-und Kulturfreunde angelockt, special guest Ray Kelly rundet das Bild mit Texashut, Schweisserbrille und Rolling Art-Tattoo ab. Schüsse, Wertungen und sonstige Kegeleigenheiten werden heftigst diskutiert und bringen Script und Regie leicht ins Schwitzen. Sehr stark vertreten ist die Belegschaft der Fa. Feher, der Betriebsleiter entlockt mit 9 zerbrochenen Flaschen der Menge einen Aufschrei, im Tagesfinale dann allerdings enttäuschend.

Tagessiegerin auch im Franckviertel wieder eine Dame, Manuela Höflinger, aus Urfahr mit 8 Punkten. Leo Mayr, extra angereist aus Zöhrdorf, auf Platz 2. Erwin Hackl, Inhaber der Grillstube am Lonstorferplatz auf Rang 3.
Weiters qualifizierten sich für´s Endspiel am Sonntag Alfred Lackinger, Romana Iglsböck, Anna Rigler, Ferdinand Sulzermayer und Peter Mühleder.


Donnerstag, 1.7.1999, Tagesbericht AMS

Wir starten um 9h. Eines ist schnell klar, am Vormittag haben die Leute keine Zeit. Insofern war die Entscheidung richtig, am Vormittag kein Tagesfinale abzuhalten. An
den Fenstern des Post-und Telegrafengebäudes erscheinen zwar immer wieder Gesichter, aber auf unsere einladenden Gesten antworten sie mit Kopfschütteln.
Auf der Ehrentribüne rechts sind die Kleinen vom Kindergarten gegenüber vertreten. Ein paar Neugierige studieren die Spielregeln. Tröpfchenweise füllt sich die Eintragungsliste. Das Scriptgirl freut sich über einen Herrn aus Glasberg, er korrigiert allerdings - Lasberg. Ja und dann taucht plötzlich das bereits vertraute Team aus Zöhrdorf auf, und auch andere Fans sind bereits zum drittenmal vertreten.
Wir spielen 4 Runden , die zwei Besten jeder Runde qualifizieren sich für´s Endspiel.
Das sind Johann Lamplmayr, Josef Fessl, Martin Schlögl (ein Fan aus Zöhrdorf, der beim dritten Anlauf den Sprung in´s Finale nun schaffte), Jürgen Thalinger, Jakob Kowatsch (genannt Kojak, Angestellter der Druckerei), Christian Schönberger, Heiko Bressnik (Künstler, der sich schon auf die Zeit mit Grundeinkommen freut), Evelyn Störzer und Ivan Cvetkovic´. Ivan, der lange nicht glauben konnte, daß der Preis "Grundeinkommen oder Lebensversicherung" kein Schmäh des Moderators ist. Und das ist nach dem dritten Tag Gewissheit, dem Moderator geht der Schmäh nicht aus.


Freitag, 2.7.1999, Tagesbericht Infracenter
Das Infracenter ist ein hartes Pflaster, Freizeit ist hier Programm und von dem lässt sich so schnell niemand abbringen. Hinter der Westernfassade des Lucky Valley kann man für knappe 200,-Ats/h saufen was das Zeug hält, die Mausefalle bietet eine Palette zwischen Oben-Ohne-Bedienung und Kinderdisco. Während des Aufbaus warten schon die Fans und Profis des Glaskegelsportes aus den Vorrunden. Man kennt sich bereits, man berät, spekuliert und erinnert sich an die Highlights der Vortage.

Tagessiegerinnen zwei Damen ex equo mit 7 Punkten Evi Preinerstorfer und Marion Eder, den 3. Platz teilen sich mit 6 Punkten Hans Schmuck und Ferdinand Schmelz, beide nach mehreren Anläufen. Weiters steigen auf ins Endspiel Herbert Bremstaler sowie Serkan und Coriman Atila, aus einer zahlenmässig starken türkischen Belegschaft.


Samstag, 3.7.1999, Tagesbericht Kürnberghalle
Sengende Hitze am Asphalt. Die Crew hat sich ausgerüstet mit Spritzpistolen und Strohhüten. Kein Fanclub heute, die haben´s schon alle geschafft ins Finale. Die Badegäste wirken eher erschöpft und wollen heim. Die Passanten lassen sich nur zäh animieren, der Spass alleine reicht hier scheinbar nicht, es müssen schon Gewinnchancen gewittert werden.

Tagessieger ist Siegfried Kiesenhofer mit 8 Punkten, 2. Platz Franz Lichtenberger 7 Punkte, 3. Rang Fritz Plaimer mit 6 Punkten. Weiters kommen ins Endspiel Peter Jungwirth, Leopoldine Plaimer, Josef Bayer und Dario Stankovic.


Sonntag, 4.7.1999, Tagesbericht FINALE
Die Bahn wird auf der Wiese vor der Stadtwerkstatt aufgebaut. Die Böschung auf der Nordseite der Wiese gibt dem ganzen einen Stadioncharakter. Diesmal haben wir auch eine Bühne für die tschechische Band, die mit Horn, Zieharmonika und Schlagzeug aufspielt. Der Andrang zur Anmeldung für die zwei Hoffnungsrunden, der letzten Chance sich für das Finale zu qualifizieren, ist gross. Die Runden werden um einige Spieler erweitert, trotzdem müssen viele abgewiesen werden. Die Stimmung ist bestens, die zwei Runden werden flott durchgespielt. Dann geht´s endlich zur Sache.
41 Finalteilnehmer spielen in zwei Gruppen. Die Namen der 16 Besten werden auf Zettel notiert und wandern in Ray Kelly´s Cowboyhut. 8 Paare werden aus dem Hut gezogen und spielen im KO-System das Achtelfinale. Die Fieberkurve steigt. "Und der Ladybonus gilt noch immer?", wollen manche nicht glauben. Positive Diskriminierung als Kontrapunkt zur Arbeitswelt. Im Viertelfinale spielen drei männliche und ein weibliches Paar, das heisst der Zufall hat den Ladybonus etwas entschärft. Als Finalpaar bleiben über: Franz Lichtenberger, der Besitzer des Lichtenbergs, wie der Moderator meint, und Heinz Kulef, Erfinder des Tomatenketchups. Kulef entpuppt sich als echter Showman, der mit seinem Getänzel und Posieren dem Publikum wahre Begeisterungsstürme entlockt.

Sieger wird allerdings, sehr überlegen, FRANZ LICHTENBERGER. Viele haben auf ihn getippt, denn seine Wertungen waren ohne Ausrutscher überdurchschnittlich. Franz Lichtenberger, um die 45, ein Mann, der die Arbeitslosigkeit kennt. Er entscheidet sich für das monatliche Grundeinkommen, denn sein Monatslohn als LKW-Fahrer ist kaum höher als die 10.000,- Ats Preisgeld, die er nun ein Jahr lang überwiesen bekommt.

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